Entstehungsgeschichte

Geschichte der Advent-Kindergärten

Die Entstehung der Advent-Kindergärten kann man bis zu Fröbel, einem deutschen Pädagogen, zurückverfolgen

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Pestalozzi (1746-1827)

  • war ein Vorläufer der Anschauungs- und Reformpädagogik
  • erkannte die Notwendigkeit einer allgemeinen Volksbildung (man beachte die damaligen Umstände)
  • damit sollte schon in den Elternhäusern begonnen werden, statt die Kinder sich selbst zu überlassen
  • die Kinder sollten ganzheitlich intellektuell, sittlich-religiös und handwerklich gefördert werden
  • er selber führte ein Waisenhaus, eine Armenanstalt und weitere Institutionen
  • Fröbel arbeitete einige Zeit bei Pestalozzi als Hauslehrer und war dadurch gleichzeitig sein Schüler
  • er lernte von seinen Ideen, seinem Menschenbild und pädagogischen Ansatz
  • wieder in der Heimat formte er diese Ideen weiter und entwickelte das Konzept eines Kindergartens, also eines Gartens für Kinder, der sich total von den damals üblichen riesigen Anstalten unterschied

„Eine solche Offenbarung nenne ich zum Beispiel den mir im Frühling 1840 auf einer Wanderung von Blankenburg nach Keilhau zwischen dem Alten Schlosse und Klein Gölitz gekommenen Namen Kindergarten; Garten = Paradies, also Kindergarten = das den Kindern wieder zurück zu gebende(s) und gegebenes Paradies.“ Aus einem Brief von Friedrich Fröbel an seine spätere zweite Frau Luise Levin (BIM XXXIII,17, B. 50)

Friedrich Fröbel (1782-1852)

  • Pastorensohn, pietistische Prägung (das Streben nach Heiligung und Vollkommenheit, einem gottwohlgefälligen Wandel)
  • traurige Kindheit in der Pfarrstube (immer in geschlossenen Räumen, musste immer still sein, hatte keine Bewegung, durfte sich nicht schmutzig machen…)
  • schaute oft aus dem Fenster spielenden Kindern zu, sehnte sich nach Freiheit, Bewegung, frischer Luft und all dem Schönen der Natur, aber er durfte ja nicht…
  • je älter er wurde, umso mehr interessierten ihn die großen Zusammenhänge des Lebens
  • als Denker vertiefte er sich in dieses Thema und studierte viel für die Erfordernisse des praktischen Alltages war er weniger geeignet
  • kam als junger Mann mit Pestalozzi zusammen, einem schweizerischen Pädagogen

Fröbels Konzept von einem Kindergarten

  • bewusste Erziehung und Pflege der anvertrauten Kinder
  • Erziehung zur Gottesfurcht, Streben nach Heiligung
  • Bewegung in der freien Natur
  • Gartenarbeit (jedes Kind sollte sein eigenes Beet in Pflege haben)
  • Mitverantwortung durch Haushaltsaufgaben
  • ganzheitliche Förderung
  • auch Gewöhnung an Ordnung, Reinheit…

Der Kindergarten ist für Friedrich Fröbel das dem Kind „wieder gegebene Paradies“, wenn das Kind in ihm sich selbst bewusst wird, im Einklang mit der Natur und den anderen Kindern. Hierzu dienen die drei wesentlichsten Tätigkeitsbereiche des Kindergartens:

  • die Gartenpflege
  • die Bewegungsspiele
  • das „Ganze“ der „Gaben“ (z.B. Bausteine) und „Beschäftigungsmittel“ (z.B. Papier-weben, falten).
  • Sowie Erzählungen

Aus: Helmut Heiland, Fröbelforschung heute (Aufsätze 1990 – 2002), S. 54 f.

  • Fröbel war also der Ideengeber des Kindergartens
  • gründete nach diesem Prinzip einen Kindergarten und eine kleine Dorfschule (Landerziehungsheim)
  • dazu brauchte er Helferinnen
  • damit bereitete er ein neues Berufsbild vor – die Kindergärtnerin
  • neben seiner Arbeit schrieb Fröbel einige Traktate und kleinere Schriften, sowie unendlich viele Briefe. Die Grundlage seines Denkens war die Gegenwart Gottes in allem Lebenden: „Die Philosophie Fröbels begreift die gesamte Wirklichkeit als aus Gott hervorgegangene Schöpfung, in der Gottes Geist als aktives Moment in jedem Seienden wirkt und dieses zu seiner Entfaltung führt.“ (aus: Helmut Heiland, Die philosophische Begründung des Unterrichts in Keilhau, in: Helmut Heiland, Fröbelforschung heute, Aufsätze 1990 – 2002, Würzburg 2003, S. 42 ff. (44))
  • 1844 erschienen seine „Spiel- und Koselieder“, genau zu einer äußerst bewegten und sensiblen Zeit, nicht nur in Deutschland und Europa, auch in Amerika (politisch – Revolution, wirtschaftlich – Industriealisierung, religiös – verschiedene Bewegungen aufgrund der Naherwartung der Wiederkunft Christi
  • im Winterhalbjahr 1849/50 nahm Fröbel eine Einladung des Damenvereins in Hamburg an, unterrichtete dort 22 junge Mädchen und Frauen und führte sie in seine Pädagogik ein
  • man sagt, dass Fröbel mit diesem Unterricht einen neuen Beruf bildete, den es bisher noch gar nicht gab: die Kindergärtnerinnen (Kinderpflegerinnen)
  • diese Frauen wurden tatsächlich gebraucht, denn…
  • …noch in diesen Monaten gründete Fröbel in Hamburg einen „Bürgerkindergarten“, den ersten offiziellen „Volkskindergarten“
  • es blieb in Deutschland nicht bei diesem einen Kindergarten, Fröbels Idee schlug durch
  • aber es blieb nicht lange dabei, denn während der Revolution wurden die Fröbelschen Kindergärten in Preußen verboten
  • es kommt zu vielen Auswanderungen der Kinderpflegerinnen bzw. Erzieherinnen in die USA

Agatha Margaretha Schurz (geb. Meyer)

  • wurde 1833 als 11. Kind in Hamburg geboren (Mutter starb mit ihrer Geburt)
  • sie war eine von den 22 Schülerinnen, die Fröbel in Hamburg unterrichtete (war damals 17)
  • Heirat mit dem preußischem Widerstandskämpfer Carl Schurz
  • auch sie wanderten nach Amerika aus, ihr Mann wird dort zum General ernannt
  • dort spielte Margaretha mit ihrer Tochter und den Nachbarskindern
  • Nachbarfamilien beobachteten das und baten sie, auch ihre Kinder mit dazu zu nehmen und zu betreuen
  • so entstand 1856 der erste kleine deutschsprachige Kindergarten in den USA, dem bald weitere deutschsprachige Kindergärten folgten

Elizabeth Palmer-Peabody (1804-1894)

  • lernte die Ideen Fröbels im Hause der Schurzens kennen und ließ sich von Margarethe in diese Arbeit einweisen
  • begeistert davon gründete sie in Boston den ersten Kindergarten für englischsprechende Kinder
  • energische Frau, die sich mit unermüdlichem Einsatz für die Verbreitung der Kindergarten-Idee bei amerikanischen Eltern, Lehrern und Schulbeamten stark machte
  • reiste 1867 selber nach Deutschland, um noch mehr zu lernen und brachte von dort ausgebildete Kindergärtnerinnen mit in die Staaten, die Ausbildungslehrgänge durchführten (ab 1870 etwa)

John Harvey Kellog

  • war ein überzeugtes und einflussreiches Mitglied der jungen Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten
  • gerade als die Kindergarten-Idee in Amerika bekannt wurde, faszinierte sie den jugendlichen John Kellog
  • er konnte es kaum glauben, dass diese Methoden wirklich funktionieren sollten
  • es bot sich schon recht bald eine Gelegenheit, das auszuprobieren, als sein Vater ihn ermutigte, während des Sommers in seiner Freizeit die jüngeren Kellogs ein wenig zu unterrichten
  • das begann John mit viel Eifer, nahm auch Nachbarskinder mit dazu
  • dieses Experiment faszinierte die Kinder und John staunte, wie genau sie sich später an das erinnerten, was er sie gelehrt hatte
  • gründete 1867 einen Kindergarten auf der Grundlage von Fröbel in Battle Creek, dem kleinen Städtchen, in dem die junge Kirche ihren Sitz hatte
  • Später der Entdecker der Cornflakes und Gründer der Kellog-Werke

Ellen White (1827-1915)

  • eine wichtige Mitbegründerin der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten
  • in Kenntnis von Kellogs Tätigkeit schrieb sie 1872 den Aufsatz „Proper Education“ (Wahre Erziehung), in dem sie die Ideen Fröbels aufgreift, nämlich
    • die Natur als Umgebung
    • die Bibel als Grundlage aller Erziehung
    • die Notwendigkeit zur Stärkung der körperlichen Gesundheit und
    • die Charakterbildung
  • in diesem Aufsatz findet man quasi zum ersten Mal die Konzeption der Advent-Kindergärten
  • Ellen White erkannte die Bedeutung und den Vorteil solcher Kindergärten sowohl für die Erziehung und Prägung der Kinder als auch für die Kirche allgemein
  • legte fortan auf die Erziehung der Kinder großen Wert und arbeitete daran, dass bei all den Versammlungen, Camp meetings… die Kinder im Stil Fröbels gesondert betreut und erzogen werden
  • sie regte auch an, dass adventistische Schulen (Hochschulen) einen Kindergarten betreiben sollten.
  • so kam es, dass 1928 in Friedensau der erste deutsche Advent-Kindergarten gegründet wurde, der zugleich Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen war
  • 1929 ein zweiter Kindergarten am Seminar Marienhöhe in Darmstadt

Wenn man es so betrachtet, geht jeder Kindergarten – gleich welcher pädagogischen Konzeption – auf Fröbel zurück. Doch das Besondere der Advent-Kindergärten ist, dass sie die Idee einer ganzheitlichen Erziehung und die vier Grundsäulen beibehalten haben

(Daniela Reich, mit Ergänzungen)